Wie kommt es, dass wir heute Outfits auf den Straßen der Städte sehen, die aussehen, als kämen sie direkt vom Tennisplatz? Tennis und Streetwear scheinen auf den ersten Blick zwei völlig verschiedene Welten zu sein – Tennis ein elitärer Sport in Weiß, Tennis Ausdruck der Jugendkultur. Doch der Einfluss des Tennis auf die Alltagsmode ist unbestreitbar. Einige der kultigsten Kleidungsstücke der Welt haben ihre Wurzeln im Tennis – wie der zeitlose weiße Sneaker oder das Poloshirt. Was einst ausschließlich dem Dresscode von Country Clubs vorbehalten war, ist heute fester Bestandteil der Streetwear.
Dieser Artikel beleuchtet die historische Entwicklung der Tennismode, die Marken und Subkulturen, die sie vom Tennisplatz in die Streetwear brachten, die Schlüsselmomente und Kooperationen, die den Trend prägten, und warum der Tennis-Look Streetwear-Fans bis heute fasziniert. Machen Sie sich bereit für eine stilvolle Reise vom Wimbledon-Rasen zum coolen Streetstyle.
Vom Tennisplatz auf die Straße: Die Evolution der Tennismode
Tennis hatte schon immer seine eigene Kleiderordnung. Bereits 1890 schrieb Wimbledon vor, dass die Spieler ganz in Weiß gekleidet sein mussten – ein Symbol für Eleganz und Reinheit der Oberschicht. Die Männer spielten in weißen Hemden, langen Hosen und Wollwesten; die Frauen trugen Korsetts und bodenlange Röcke. Doch als die Spieler begannen, die Grenzen der Praktikabilität auszuloten, veränderte sich auch die Tennismode.
Quelle:https://en.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_LacosteIn den 1920er-Jahren revolutionierte der französische Tennis-Champion René Lacoste den Tennissport, indem er die Ärmel seines steifen Hemdes abschnitt, um mehr Bewegungsfreiheit zu haben. 1929 präsentierte er das erste kurzärmelige Tennispolo aus atmungsaktivem Piqué-Baumwollstoff, das später unter dem ikonischen Krokodil-Logo zum Verkaufsschlager wurde. Etwa zur gleichen Zeit etablierte sich der komplett weiße Look als charakteristische Tennisästhetik – von Hemden bis zu Schuhen.
Die ersten Tennisschuhe waren einfache weiße Segeltuchschuhe, ideal für guten Halt auf Rasen und Sand. Bis in die 1960er-Jahre trugen viele Spieler sie noch, bis neue Materialien auf den Markt kamen. Ein weiterer Meilenstein war die britische Tennislegende Fred Perry, der in den 1930er-Jahren Wimbledon gewann und 1952 sein gleichnamiges Label gründete – natürlich mit dem Lorbeerkranz-Logo. Perry erfand auch das Frottee-Schweißband und machte es zu einem praktischen und zugleich stylischen Accessoire.
In den 1960er-Jahren hielten Farbe und Kreativität Einzug in die Tennismode. Der italienische Profi Sergio Tacchini brach 1966 mit der weißen Regel und setzte auf auffällige Streifen und leuchtende Designs. Stars wie John McEnroe trugen seine Kleidung in den 70er-Jahren und trotzten damit dem konservativen Image des Tennissports.
Adidas betrat 1964 mit seinem ersten Ledertennisschuh – dem späteren legendären Stan Smith – die Bühne. Plötzlich wurden Tennisschuhe sowohl Sportbekleidung als auch modisches Statement. In den 70er-Jahren posierten Pin-up-Stars wie Björn Borg mit Stirnbändern, kurzen Shorts und offenen Poloshirts und machten Tennisprofis so zu Stilikonen.
Die 1980er-Jahre brachten Nikes Revolution. Mit dem rebellischen Star Andre Agassi kamen Neonfarben, Jeansshorts und auffällige Muster. Agassi brach bewusst mit Kleiderordnungen (und boykottierte sogar Wimbledon wegen der dort geltenden Weiß-Regel) und bewies damit, dass Tennis und Mode zusammengehören – und Regeln dazu da sind, gebrochen zu werden.
Von der Ausrüstung zum Style: Poloshirts, weiße Sneaker und Schweißbänder
Einige klassische Tennis-Teile haben den Sprung vom Platz in den Alltag mühelos geschafft. Hier ein genauerer Blick auf drei zeitlose Must-haves:
Das Polohemd
Das kurzärmelige „Lacoste-Hemd“ wurde 1929 von Lacoste erfunden und basierte auf langärmeligen Hemden. In den 1950er- und 60er-Jahren avancierte es zum lässigen Lieblingsstück der Oberschicht und der Studenten (Preppy-Stil). Später eroberte es auch die Arbeiterklasse – insbesondere durch die Poloshirts von Fred Perry, die zu Symbolen rebellischer britischer Subkulturen wurden.
Weiße Tennisschuhe
Lange bevor Sneaker zum modischen Statement wurden, trugen die Leute Tennisschuhe abseits des Platzes wegen ihres Komforts und ihres gepflegten Aussehens. Das Ledermodell von Adidas aus dem Jahr 1964 – später in Stan Smith umbenannt – wurde in den 1980er-Jahren zu einer globalen Ikone. Von der Hip-Hop-Szene bis hin zu modebewussten Studenten wurden weiße Stan Smiths zum Inbegriff minimalistischer Coolness.

Schweißbänder & Stirnbänder
Die von Fred Perry in den 30er-Jahren erfundenen Stirnbänder erlebten in den 70er- und 80er-Jahren ihren Durchbruch. Musiker wie Björn Borg machten Frottee-Stirnbänder zu Kultaccessoires. Schon bald trugen Fitnessbegeisterte, Breakdancer und Popstars farbenfrohe Schweißbänder als modisches Statement. Einst rein funktional, entwickelten sich diese Accessoires zu unverzichtbaren Stilelementen.
Marken, die Tennis und Streetwear miteinander verbanden
Bestimmte Marken spielten eine entscheidende Rolle dabei, Tennis vom Court in den Alltag zu bringen. Mit markanten Designs, ikonischen Logos und einem breiten kulturellen Reiz machten diese Labels klassische Sportbekleidung zu unverzichtbaren Basics für die Straße.
Lacoste
Das französische Krokodil machte Tennis-Style zum alltagstauglichen Trend. Seit den 1930er-Jahren eroberten Lacoste-Poloshirts in Weiß (und später in Farbe) die Garderobe und verließen den Tennisplatz. Das Krokodil ist bis heute ein weltweites Symbol für sportliche Eleganz.
Fred Perry
Fred Perry, bekannt für seinen Lorbeerkranz, wurde zum Inbegriff britischer Sportmode. Poloshirts und Trainingsanzüge wurden in den 60er-Jahren von Mods und später von Skinheads getragen – Subkulturen, die sich bewusst gegen den Mainstream auflehnten. In den 90er-Jahren, der Britpop-Ära (man denke an Oasis), feierten Fred Perry Poloshirts ein Comeback.
Adidas
Mit seinen tiefen Wurzeln im Tennis bewies Adidas mit dem Stan Smith, dass Tennisschuhe auch abseits des Platzes funktionieren. Andere Modelle wie der Continental und der Rod Laver eroberten ebenfalls die Streetwear-Welt. Adidas erfindet den Tennis-Style durch Kooperationen mit Pharrell Williams, Palace und weiteren Marken immer wieder neu.
Nike
Nike stieg in den 70er-Jahren in den Tennissport ein und prägte ihn in den 80er- und 90er-Jahren mit Spielern wie John McEnroe und Andre Agassi maßgeblich. Mit Neon-Shirts, auffälligen Prints und Bandanas verlieh Nike-Tennisbekleidung dem Sport ein neues, jugendliches und trendiges Image. Heute führen Sneaker wie der Air Tech Challenge oder der Off-White™ x Nike (getragen von Serena Williams) dieses Erbe fort.
Sergio Tacchini & Co.
Italienische Tennismarken wie Tacchini, Fila und Ellesse brachten in den 70er- und 80er-Jahren Stil auf die Tennisplätze – und wurden später in der Hip-Hop- und Streetwear-Szene gefeiert. In den 80er-Jahren in New York waren Tacchini-Trainingsanzüge ein absolutes Muss. Rapper wie Notorious B.I.G. und LL Cool J trugen sie stolz und machten Tennisbekleidung so zum urbanen Luxus.
Palace Skateboards
2018 brachte die Londoner Skateboard-Marke Palace eine offizielle Adidas-Kollektion in Wimbledon heraus. Spieler wie Alexander Zverev trugen auf dem Centre Court komplett weiße Outfits mit Palace-Logo – eine gelungene Mischung aus Tradition und Trend. Der Beweis, dass Tennis und Streetwear perfekt zusammenpassen.
Subkultureller Einfluss: Hip-Hop, Skate, Britpop & mehr
Tennismode eroberte die Straßen nicht zufällig – sie wurde von Subkulturen neu definiert. Von Hip-Hop über Skateboarding bis hin zu Britpop verlieh jede Szene klassischen Tennis-Teilen einen frischen Touch und eine neue Bedeutung.
Mods & Skinheads (1960er Jahre, Großbritannien)
Die Mods – modebewusste Teenager mit einer Vorliebe für Soulmusik – machten Fred-Perry-Poloshirts zu ihrer Uniform. Für sie ging es nicht um Tennisetikette, sondern um minimalistische Coolness. Ironischerweise fühlte sich Fred Perry selbst in den Elitekreisen des Tennis als Außenseiter – daher war es nur logisch, dass seine Kleidung von Außenseitern so geschätzt wurde.
Fußball-Casuals (1980er Jahre, Großbritannien)
Unter Fußballfans entstand eine neue Subkultur, die sich durch Designer-Sportbekleidung auszeichnete. Marken wie Sergio Tacchini, Fila und Ellesse waren ebenso begehrt wie Adidas-Sneaker. Diese Looks fielen im Stadion auf und prägten die britische Mode über Jahrzehnte.
Hip-Hop & B-Boy (1980er/90er Jahre, USA)
Die US-amerikanische Hip-Hop-Kultur liebte Sportbekleidung, von Basketballtrikots bis hin zu Tennisbekleidung. In New York City galten Tacchini-Trainingsanzüge als absolute Streetwear-Klassiker. Rapper wie Notorious B.I.G. erwähnten Fila, und Breakdancer trugen Tennisschuhe wegen ihrer flachen Sohlen und ihrer Strapazierfähigkeit.
Skateboarder (1980er/90er Jahre, USA/GB)
Skater schätzten Tennisschuhe wegen ihres guten Halts und ihres minimalistischen Designs. Stan Smiths und Nike Tennis Classics wurden zu unverzichtbaren Skateschuhen. Die Ironie, dass rebellische Skater einst elitäre Sneaker trugen, verlieh ihren Outfits einen gewissen Reiz.
Britpop & Indie (1990er Jahre, Großbritannien)
Bands wie Oasis verbanden den Stil der Arbeiterklasse mit Tennismode – sie trugen Poloshirts von Fred Perry, Hemden von Lacoste und italienische Trainingsjacken. Ihr Retro-Mix trug dazu bei, Tennisbekleidung in der Musikszene wiederzubeleben.
Jede dieser Bewegungen verlieh der Tennisbekleidung eine neue Bedeutung – sie wurde von einer Uniform der Oberschicht zu einer Art urbaner Rüstung.
Kollaborationen, Momente und Ikonen, die den Hype auslösten
Was hat Tennisbekleidung vom Nischenprodukt zum Hype gemacht? Wichtige Kooperationen, gewagte Modeereignisse und ikonische Persönlichkeiten haben dazu beigetragen, den Stil des Sports tief in die Welt der Streetwear vorzudringen.
Andre Agassis Neon-Ära
Mit seinen Stirnbändern, Jeansshorts und seiner neonfarbenen Nike-Ausrüstung wurde Agassi zur Popkultur-Ikone. Er bewies, dass Tennis laut, jugendlich und stylisch sein kann.

Wimbledon gegen Street (2013)
Roger Federer musste in Wimbledon seine Turnschuhe mit orangefarbenen Sohlen ausziehen, weil er gegen die Kleiderordnung verstoßen hatte – ein viraler Moment, der die Spannung zwischen Tradition und modernem Stil verdeutlichte.
Palace x Adidas (2018)
Die Wimbledon-Kooperation von Palace machte aus Profispielern Hypebeasts. Ein bahnbrechender Moment für tenniscore.
Serena Williams x Off-White (2019)
Serena trug einen Nike-Body mit kraftvollen Aufschriften wie „Mutter, Champion, Königin, Göttin“, entworfen von Virgil Abloh. Streetwear hielt damit offiziell Einzug auf dem Tennisplatz.
WURYCRY: Vom Gericht zur Kultur
FURYCRY wurde 2021 in der Schweiz gegründet und entstand aus den Herausforderungen, denen sich Tennisspieler und -spieler stellen müssen. Inspiriert von der mentalen und physischen Stärke, die der Tennissport erfordert, spiegelt sich dieser Geist in der klaren, fokussierten und markanten Designsprache der Marke wider. Doch FURYCRY ist mehr als nur ein Label. Mit dem Ziel, Tennis inklusiver zu gestalten, will die Marke Barrieren abbauen und den Zugang zum Sport für diejenigen ermöglichen, die bisher ausgeschlossen waren. Es geht um stilvolles Tennis mit Sinn.

Influencer wie Tyler, The Creator und Pharrell Williams tragen weiterhin Vintage-Tennis-Styles, von Poloshirts bis hin zu Cardigans. Roger Federer, eine langjährige Modeikone, hat sich mit Uniqlo zusammengetan, um die klassische Eleganz des Tennissports wieder ins Rampenlicht zu rücken.
Warum Tennis-inspirierte Mode bei Streetwear-Fans Anklang findet
Tennisinspirierte Mode trifft den perfekten Punkt zwischen Eleganz und Lässigkeit. Sie vereint klare, raffinierte Linien mit entspanntem Tragekomfort – formell, aber nie steif. Mit ihren zeitlosen Schnitten, neutralen Tönen und dem minimalistischen Flair fügt sie sich mühelos in die Garderobe von heute ein. Der Retro-Charme von Faltenröcken der 70er, Stirnbändern der 80er und klassischen Shorts trifft den Nerv der Zeit. Und wenn sie abseits des Tennisplatzes getragen wird – wie ein komplett weißes Outfit auf einer Party oder ein Tennisblazer auf der Straße –, verwandelt sie den Preppy-Stil in einen gewagten, unkonventionellen Chic. Das Beste daran? Sie ist unglaublich vielseitig. Ob kombiniert mit Jogginghosen, Lederjacken oder eleganten Hosen – Tennismode passt immer.
Die Geschichte der Tennismode – von Country Clubs bis hin zu den Laufstegen aus Beton – ist ebenso facettenreich wie unerwartet. Pioniere wie Lacoste und Perry legten den Grundstein. Subkulturen und Musikrichtungen prägten sie neu. Und nun erlebt Tennismode ein weltweites Comeback. Ob auf dem Platz, im Publikum oder online – eines ist klar: Tennismode feiert ein globales Comeback.
Der Tennis-Look ist nicht nur im Trend – er ist Stil.








Hinterlasse einen Kommentar
Diese Website ist durch hCaptcha geschützt und es gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen von hCaptcha.