Die Tenniswelt hat schon viele Showturniere erlebt, doch keines war mit dem „Six Kings Slam“ in Riad vergleichbar. Finanziert von saudischen Geldern und präsentiert als glanzvolles Kräftemessen der Superstars, glänzt es zwar oberflächlich, überschreitet aber eine beunruhigende Grenze. Hinter dem Glamour verbirgt sich ein Event, das die Werte untergräbt, die den Tennissport ausmachen.
Wie saudische Millionen den Tenniserfolg neu definieren
Der Six Kings Slam ist kein offizielles ATP-Turnier, sondern ein privates Showturnier. Es gibt keine Weltranglistenpunkte und kein Qualifikationsverfahren. Sechs Stars wurden allein aufgrund ihres Ruhms eingeladen, nicht weil sie sich ihre Teilnahme verdient hatten. Selbst die Auslosung entsprach nicht den ATP-Standards; so mussten hochrangige Spieler mitunter mehr Matches bestreiten als niedriger platzierte Veteranen.
Das Geld spricht Bände. Jeder Teilnehmer soll allein für seine Teilnahme rund 1,5 Millionen Dollar verdient haben, und der Sieger nahm etwa 6 Millionen Dollar mit nach Hause – mehr als das Preisgeld des US-Open-Champions. Für nur ein paar Spiele an einem Wochenende ist das eine schwindelerregende Summe. Das ist kein Wettkampf, sondern eine geldgierige Show, die die Botschaft vermittelt: Ruhm, nicht Leistung, verschafft Chancen.

Influencer, Netflix und Tennis: Die Six Kings Slam Show
Die Werbung für das Event machte deutlich, dass es sich eher um ein Spektakel als um Sport handelte. YouTube-Größen wie MrBeast und iShowSpeed wurden engagiert, um das Turnier zu bewerben und es in einen Social-Media-Zirkus zu verwandeln. Netflix streamte die Spiele wie eine Reality-Show, komplett mit dramatischen Bildern und „königlichen“ Effekten. Das Ergebnis wirkte eher wie Entertainment-Marketing als wie ein Tennisturnier.
Tennis steht traditionell für Respekt, Konzentration und sportliche Höchstleistungen – man denke nur an die stille Würde Wimbledons oder die Dramatik des Davis Cups. In Riad wurden diese Werte von grellem Licht und Auftritten von Influencern übertönt. Der Fokus verlagerte sich von sportlichen Leistungen auf virale Momente, wodurch Weltklassespieler zu Statisten in einer kommerziellen Inszenierung degradiert wurden.
Von der Erschöpfung zum Glück
Am enttäuschendsten war wohl die Teilnahme der Spieler. Topspieler klagen das ganze Jahr über oft über Erschöpfung und einen vollen Terminkalender. Doch bei diesem Showturnier waren diese Sorgen wie weggeblasen, sobald Millionen im Spiel waren. Carlos Alcaraz beispielsweise zog sich wegen Erschöpfung von einem ATP-Masters-Turnier zurück, schien aber Tage später in Riad fit genug zu sein, um anzutreten.
Taylor Fritz brachte es auf den Punkt: „Nennt mir ein anderes Turnier, bei dem man mit zwei Matches sechs Millionen verdienen kann.“ Er hatte Recht, doch seine Ehrlichkeit legte den Kern des Problems offen: Geld geht vor Prinzipien. Fans, die die Spieler wegen ihrer Leidenschaft und ihres Engagements unterstützen, sehen stattdessen Heuchelei. Wenn Stars offizielle Turniere für bezahlte Showkämpfe sausen lassen, untergräbt das die Integrität des Sports und das Vertrauen seiner Anhänger.
Eine Bedrohung für den Tenniskalender
Ein staatlich finanziertes Mega-Event wie der Six Kings Slam gefährdet das Gleichgewicht im Tennis-Ökosystem. Traditionelle Turniere müssen mit begrenzten Budgets auskommen, Sponsoren gewinnen und in die lokale Tennisentwicklung investieren. Saudi-Arabien hingegen, mit seinen nahezu unbegrenzten Mitteln, kennt solche Einschränkungen nicht. Es kann alle anderen überbieten und kurze, aufsehenerregende Veranstaltungen ausrichten, ohne dabei einen nachhaltigen Wert für den Sport zu schaffen.
Wenn solche Veranstaltungen häufiger stattfinden, könnten Spieler Turniere meiden, um sich die schnellen Preisgelder zu sichern. Kleinere Turniere könnten verschwinden, und selbst große Turniere könnten Schwierigkeiten haben, Top-Talente anzuziehen. Tennis läuft Gefahr, sich von einem strukturierten Wettbewerb, der auf Leistung und einer packenden Geschichte basiert, zu einer Reihe bezahlter Schaufenstershows zu entwickeln.
Sportswashing hinter den Kulissen
Der Six Kings Slam ist Teil einer umfassenderen Strategie, die als Sportswashing bekannt ist – die Nutzung großer Sportveranstaltungen zur Imageverbesserung eines Landes. Saudi-Arabien hat bereits Milliarden in Golf, Fußball, Boxen und die Formel 1 investiert, und Tennis ist die neueste Ergänzung. Das Ziel ist klar: Die globale Debatte soll von Politik und Menschenrechtsfragen auf Glanz und Unterhaltung gelenkt werden.
Durch ihre Teilnahme an solchen Veranstaltungen tragen die Spieler – ob bewusst oder unbewusst – mit ihrer Strahlkraft zu diesem Image-Rebranding bei. Lächelnde Fotos mit saudischen Würdenträgern und überdimensionale Schecks sind zwar eine gute PR-Strategie, haben aber ihren Preis. Tennis läuft Gefahr, zu einem Instrument politischer Imagepflege zu werden, anstatt ein Ausdruck von Fairplay zu sein.
Eine Warnung für Tennisspieler
Der Six Kings Slam krönte zwar einen Champion, doch in vielerlei Hinsicht verlor der Tennissport. Er zeigte, wie leicht Integrität in den Hintergrund treten kann, wenn das Geld stimmt, und wie schnell Stars ihre Prinzipien für Bequemlichkeit opfern. Die Grenze zwischen Wettkampf und Showbusiness verschwamm, und der Sport wurde zu einem Vehikel für Spektakel und subtile Machtausübung.
Tennis stand schon immer für Leistung, Hingabe und Respekt vor der Tradition. Dieses Event verkörpert das genaue Gegenteil: eine exklusive, geldgetriebene Veranstaltung, die sich als Turnier tarnt. Wenn der Sport diesen Weg weitergeht – dem schnellen Geld hinterherjagend und sich dem Image politischer Strippenzieher anbiedernd –, riskiert er, seine Bedeutung zu verlieren.
Die Fans verdienen einen Sport, der auf Einsatz und nicht auf Antrittsgeldern basiert; auf echtem Wettkampf und nicht auf inszeniertem Glamour. Der Six Kings Slam sollte ein Weckruf sein: Nicht alles, was glänzt, ist gut für den Sport. Tennis muss seine Authentizität bewahren, bevor das Rampenlicht den Sport selbst überstrahlt.







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